INTERCULTURAL TRAINERS KIT

INTERCULTURAL TRAINERS KIT
FOR MIGRANTS’ EDUCATORS

Förderung des gemeinsamen Verständnisses und des kulturellen Dialogs

Unterrichtsmethoden: Abigail

  • Faktor #2: Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit oder Religion

Lernziele:

Das Konzept des Wertes und der kulturellen Identität verstehen;

Den Zusammenhang zwischen Werten und Kultur verstehen;

Den Einfluss unserer Kultur auf unser Verhalten und unsere Sichtweisen verstehen.

Zeit:

2 Unterrichtseinheiten

Benötigte Materialien:

  • Eine Kopie der Geschichte „Abigail“ pro Teilnehmende(n),
  • Genug Platz für jede(n) Teilnehmende(n), um in kleinen Gruppen von 4-5 Personen herum zu gehen.

Beschreibung der Aktivität:

  1. Erklären Sie den Teilnehmenden, dass es in dieser Übung darum geht, verschiedene Werte zu untersuchen.
  2. Geben Sie jedem Teilnehmenden eine Kopie der folgenden Geschichte und bitten Sie ihn/sie, die Geschichte zu lesen:
    „Abigail liebt Tom, der auf der anderen Seite des Flusses lebt. Eine Flut hat alle Brücken über den Fluss zerstört und nur ein Boot übergelassen. Abigail bittet Sinbad, den Besitzer des Bootes, sie auf die andere Seite zu bringen. Sinbad stimmt unter der Bedingung zu, dass Abigail zuerst mit ihm schlafen muss. Abigail, die nicht weiß, was sie tun soll, rennt zu ihrer Mutter und bittet sie um Rat. Diese aber sagt, dass sie sich nicht in Abigails Angelegenheiten einmischen will. In ihrer Verzweiflung schläft Abigail mit Sinbad, der sie im Gegenzug über den Fluss bringt. Abigail rennt zu Tom, umarmt ihn fröhlich und erzählt ihm alles, was passiert ist. Tom stößt sie unverblümt weg und Abigail rennt davon. Nicht weit von Toms Haus entfernt trifft Abigail danach John, Toms besten Freund. Sie erzählt ihm die Geschichte. John schlägt Tom für das, was er Abigail angetan hat und nimmt sie an der Hand und geht mit ihr weg.“
  3. Bitten Sie alle, die Geschichte selbst zu lesen und die Figuren (Abigail, Tom, Sinbad, Abigails Mutter, John) nach ihrem Verhalten zu ordnen: Wer hat am schlechtesten gehandelt? Wer ist an zweiter Stelle…?
  4. Nachdem sie die Geschichte gelesen haben, müssen die Teilnehmende jeden Charakter individuell anhand seines Verhaltens bewerten (Abigail, Tom, Sinbad, Abigails Mutter und John).
    • Welcher Charakter hatte das schlechteste Benehmen?
    • Welcher Charakter hatte das beste Benehmen?
  5. Nachdem die meisten Teilnehmende ihre Rangliste erstellt haben, bitten Sie sie, sich in kleinen Gruppen (3 bis 6) zusammenzutun, um zu diskutieren, wie sie das Verhalten der Charaktere wahrnehmen.
  6. Die Aufgabe: Die Kleingruppen müssen eine Liste erstellen (Rangliste der besten bis schlechtesten Charaktere), auf die sich jeder in der Kleingruppe einigen kann. Bitten Sie sie, keine mathematischen Methoden zu verwenden, um die Liste zu erstellen, sondern diese Liste auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses dessen zu erstellen, was gut und was schlecht ist.
  7. Nachdem die Kleingruppen ihre Listen erstellt haben, können Sie diese Phase optional wiederholen, indem Sie zwei Kleingruppen zu mittelgroßen Gruppen zusammenführen.
  8. Bewerten Sie die Übung im Plenum, indem Sie zuerst die Ergebnisse zusammenführen und die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen ihnen diskutieren.
  9. Fragen Sie weiter, aus welchen Gründen die Personen ihre Rangliste erstellt haben. Wie konnten sie entscheiden, was gut und was schlecht war? Wie schwierig oder einfach es ist, über Werte zu verhandeln, wenn eine gemeinsame Liste erstellt werden muss.
  10. Sie können die Leute fragen, wie sie es geschafft haben, eine gemeinsame Liste zu erstellen – welche Argumente haben sie überzeugt und warum, und wo es Schwierigkeiten gab, die anderen verstehen und/oder folgen zu können.
  11. Ein mögliches Follow-up besteht darin, zu untersuchen, wo wir gelernt haben, was gut und was schlecht ist – und was uns das darüber sagt, was wir gemeinsam haben und was uns unterscheidet.

Empfehlungen:

Diese Geschichte ist sehr nützlich, wenn den Teilnehmenden das ansonsten abstrakte Wertekonzept vorgestellt wird, da sie sehr deutlich in eine Situation geraten, in der sie Werte anwenden müssen, um eine Rangordnung zu erstellen.

Eine Variation der Übung besteht darin, die Übung zuerst genauso wie hier auszuspielen und dann mit einer veränderten Geschichte zu wiederholen, in der alle Frauen zu Männern werden, und umgekehrt. Gilt die gleiche Rangordnung noch? Was hat sich verändert?

Weitere Variationen sind möglich: Nehmen Sie das Alter der Charaktere in die Geschichte auf und spielen Sie damit herum, lassen Sie sie alle das gleiche Geschlecht haben, geben Sie den ethnischen oder nationalen Hintergrund an. Und dann schauen Sie sich an, wie sich die Änderungen in der Geschichte auf die Rangordnung auswirken, und warum.

Um die besten Ergebnisse aus der Übung zu erzielen, ist es wichtig, dass Sie eine offene Atmosphäre schaffen, in der jede Rangordnung der Geschichte in Ordnung ist. Vermeiden Sie es, Teilnehmende für Argumente zu „beschuldigen“, die Sie selbst für seltsam oder schlecht halten.